Beginners Guide zur Landschildkrötenhaltung
Ein Gemeinschaftsprojekt von: Landschildkroeten.com & Geochelone.de

Abb. 1 Eine wenige Wochen alte Testudo hermanni boettgeri
Die wohl häufigste Frage die unsereins gestellt bekommt ist: Was für eine Landschildkröte soll ich mir als Anfänger anschaffen und wie halte ich diese dann? Nun, wenn man folgende Punkte beachtet sollte nichts mehr schief gehen:
Also, ihr habt die Idee euch eine Landschildkröten anzuschaffen, dann sind vorher erstmal folgende Punkte wichtig:

Abb.2. Juvenile Landschildkröten, die man häufig im Zooladen angeboten bekommt, durchgestrichen = nicht geeignet,
Von Links nach Rechts: Griechische Landschildkröte, Breitrandschildkröte, Sternschildkröte, Spornschildkröte, Pantherschildkröte, Köhlerschildkröte, Vierzehenschildkröte
1. Überlegt euch, was ihr der Art bieten könnt. Im Sommer sollte ein geräumiges Freilandgehege vorhanden sein, welches mit den Tieren mitwächst. Im Winter halten die europäischen/mediterranen Arten eine Winterstarre, dh. sie benötigen einen Kellerraum der im Winter nicht kälter als 4 und nicht wärmer als 8°C wird, oder einen entsprechenden Kühlschrank nur für sich allein. In den Mitteleuropäischen Übergangszeiten muss vor bzw. auch nach der Winterstarre ein Terrarium oder noch besser eine entsprechend eingerichtetes Frühbeet für die Tiere bereitstehen. Die tropischen Arten hingegen benötigen auch im Winter viel Wärme und Platz.
Bitte bedenkt weiterhin, das Landschildkrötenhaltung kein billiges Hobby ist. Eine junge Landschildkröte schlägt mit 100€ und mehr zu Buche, doch dies ist nur ein geringer Bruchteil dessen, was da auf euch in Form von Literatur, Terrarium, Freigehege Bau, Tierarztkosten, Futter, Strom usw. usw. zukommt, 1000€ sind da am Anfang schnell mal weg!
Tropische Arten: wie z.B. die häufig im Zoohandel angebotenen Spornschildkröten, Geochelone sulcata, oder die Pantherschildkröten, Geochelone pardalis, mögen zwar als Babys zuckersüß aussehen, wachsen jedoch fast so schnell das man ihnen dabei zusehen kann und erreichen die gigantischen Masse von 60-90cm Panzerlänge, ebenso ist es mit der Köhlerschildkröte, Chelonoidis carbonaria und mit der Sternschildkröte, Geochelone elegans, beides sehr spezielle Pfleglinge, die erstere braucht wieder viel Platz, einen feuchtwarmen Raum (was spezielle Umbauten erfordert), da sie recht groß wird und die zweite ist ein durchaus heikler Pflegling!!! Da man diese Arten im Winter warm halten muss (den afrikanischen Sommer simulieren) ist natürlich ein entsprechender Aufwand erforderlich, im Babystadium tut es klar noch ein geräumiges Terrarium, für erwachsene Exemplare sind dann jedoch ganze Zimmer/Kellerräume unumgänglich! Die Ausstattung mit diversen Stromfressenden HQI Strahlern, Fußbodenheizung, Isolierung und co. machen dies zu einem sehr kostspieligen Hobby. Eine tropische Landschildkröte ist daher nicht für Anfänger geeignet. Solltet ihr aber an meinen Worten zweifeln empfehle ich mal folgenden Link: www.geochelone.de , dort erfahrt ihr anhand ausführlicher Bebilderung was für einen Aufwand tropischen Landschildkröten erfordern.
Europäische Landschildkröten: hingegen sollte wie gesagt so wenig Zeit wie möglich im Terrarium verbringen sondern die Sommer im Freigehege, die Winter in Winterstarre und lediglich die Kalt/Nassphasen zwischen diesen beiden Jahreszeiten wie gesagt im Terrarium oder im Frühbeet. (Die europäischen Arten werden in Kapitel 2 besprochen)
Sollte man keinen Garten haben, so sollte man sich die Anschaffung wirklich sehr gut überlegen, man muss stets bedenken das eine ganzjährige Terrarienhaltung bei einer europäischen Landschildkröte zwar machbar ist, jedoch ist dies nicht wirklich Artgerecht für die Tiere. Zum Wohle der Tiere sollte man diesen Wunsch dann evtl. eben zurückstellen, bis man den entsprechenden Platz mit Garten hat.
Oftmals bekommt man zu lesen, das eine Landschildkröte als Überraschungsgeschenk oder für ein Kind bzw. ein gegen Tierhaare allergisches Kind als "Haustier" gesucht wird. Liebe Eltern, bitte nehmt folgendes zur Kenntnis: a.) Eine Schildkröte ist und bleibt ein Wildtier! b.) Schildkröten sind kein Spielzeug und auch kein Schmusetierersatz! Sie wollen einfach nur in Ruhe gelassen werden, NICHT gestreichelt, herumgetragen oder sonst was in dieser Art. c.) Schildkröten werden über 100, in Worten EINHUNDERT, Jahre alt. Oftmals werden sie Kindern sehr schnell langweilig, weil man eben nicht mit ihnen spielen darf, sondern nur aus der Ferne beobachten, weiterhin sind es anspruchsvolle Pfleglinge, was bedeutet das die Eltern einen großen Teil der anfallenden Arbeit (Gehegebau, Futter sammeln, Tierarzt Besuche usw.) zu leisten haben, wenn das Kind dann das Interesse an dem Tier verliert, was ja schnell der Fall sein kann, dann ist hier nicht wie bei einem Hamster das "Problem" nach 2 Jahren gelöst, sondern die Eltern müssen hier dann das Hobby übernehmen.
2. Also, ihr bleibt nach Punkt 1. weiterhin bei dem Wunsch euch eine Landschildkröte anzuschaffen? Dann gibt es nun folgendes zu tun:
Da für Anfänger wie gesagt wenn dann europäische Landschildkröten in Betracht kommen, ist es hier speziell Testudo hermanni boettgeri, die Ostrasse der griechischen Landschildkröte (Abb.1), eine mit max. 30cm Panzerlänge (im Schnitt 20cm) mittelgroße Art die auch im Mitteleuropäischen Klima unter der Befolgung der hier behandelten Punkte gut zu halten, ist am besten für Anfänger geeignet!
Die Westrasse, Testudo hermanni hermanni stellt ebenso wie die auch noch häufig angebotenen Breitrandschildkröten, Testudo marginata und die Maurische Landschildkröte, Testudo graeca (hier bitte wenn dann NUR Testudo ibera, keinesfalls Vertreter von Testudo graeca aus Nordafrika oder der Levante, diese beiden sind nur für Profis geeignet) deutlich höhere Ansprüche. Zwar bleibt Testudo hermanni hermanni im vergleich zu vielen Formen von Testudo hermanni boettgeri deutlich kleiner, jedoch steckt sie Anfängerfehler schlechter weg und ist auch bei weitem seltener und bevorzugt eine etwas höhere Durchschnittstemperatur, was mit weiterer Technik verbunden ist. Ebenso ist es mit Testudo marginata und Testudo ibera der Fall, weiterhin werden diese mit bis zu 40cm Panzerlänge sehr groß und verlangen auch schon etwas mehr Fingerspitzengefühl, da sie anfängliche Fehler, z.B. zu hohe Feuchtigkeit, zu kalt und co. schnell mit einem Schnupfen quittieren. Von Vertretern aus Nordafrika und der Levante lässt man als Anfänger bitte ganz die Finger, die werden zwar nicht sehr groß, sind aber sehr heikle Pfleglinge. Die letzte, die häufig im Tierhandel angebotene Vierzehen-, Steppen- oder auch Russische Landschildkröte genannte Art, Testudo horsfieldii sollte ebenfalls nicht in betracht gezogen werden. Es handelt sich um eine extrem an ihren kargen Lebensraum angepasst Art, die eine ausgeprägte Sommerruhe und eine ausgedehnte Winterstarre hält, sie braucht es trockener als europäische Vertreter und stellt daher auch in Sachen Freilandgehege noch speziellere Ansprüche. Wie man sieht kommt also wirklich nur Testudo hermanni boettgeri, oder wenn man sie bekommt die kürzlich neu beschriebene Unterart: Testudo hermanni hercegovinensis, aus Kroatien, die sich durch ihre eher kleineren Masse gut eignet, aber eher selten in Gefangenschaft als solche anzutreffen ist, in Frage.
3. Nun, die Art und Unterart ist klar, eine griechische Landschildkröte, der Ostrasse oder der Kroatischen Rasse soll es sein, da die meisten kroatischen Tiere bei den meisten Haltern noch als Ostrasse angesehen werden, sollte man nun einen Blick auf die Unterartenunterscheidung im Artikel auf www.landschildkroeten.com werfen, dann weiß man, was man da wirklich vor sich hat, weil viele Tierhändler und leider auch viele Züchter wissen das oftmals nicht. Weiterhin ist es nun an der Zeit sich ordentliche Literatur anzuschaffen, für die griechische Landschildkröte gibt es hierzu derzeit 2 Literaturempfehlungen: Zirngibl, R.: Griechische Landschildkröten, & Wegehaupt, W.: Die natürliche Haltung und Zucht der Griechischen Landschildkröten. Bitte keinesfalls die dünnen bunten Pappdeckel Büchlein in der Xten Auflage, die in jedem Buchladen und Zooladen ausliegen, kaufen, diese sind ihr Geld nicht wert und auf einem Stand von vor 20 Jahren!
Weiterhin sind folgende Webseiten durchaus empfehlenswert: www.landschildkroeten.com, www.udena.ch/wilf/ , www.villa-testudo.de & www.testudo-farm.de . Auf diesen Seiten werden dann weitere Punkte wie die weitere Haltung, Pflege, Zucht, Winterstarre uvm. im Detail und nach dem neusten Wissensstand behandelt. Sind dann noch Fragen offen so gibt es diverse Foren im Internet wo man nachfragen kann, besonders zu empfehlen ist hier: http://www.sebag-buchmann.de/schildibrett/ . Nun ist also für das theoretische Grundwissen gesorgt, kommen wir zum praktischen Teil.
4. Bevor wir uns eine Landschildkröte anschaffen muss natürlich erst einmal die Unterbringung fertig sein. Eine Landschildkröte erwirbt man übrigens prinzipiell im Frühjahr, ab März, wenn die Tiere aus der Winterstarre sind. Hier möchte ich darauf hinweisen, das es leider noch immer viele "Züchter" und leider auch die "Zoofachläden" gibt, die einem die Unwahrheit erzählen, das Jungtiere die ersten Jahre keine Winterstarre halten sollen/müssen/dürfen, dies ist FALSCH und total veraltet! Überlegen wir doch einmal logisch, wer bitte sammelt die Jungtiere den im Herbst in der freien Natur ein? Niemand, korrekt. Im ersten Jahr sollte die Winterstarre schon min. 6-8 Wochen betragen, dies mag für den Anfänger natürlich angst um das grade erworbene Tier auslösen, versteht der Mensch doch diesen Zyklus nicht, aber bitte glaubt mir, es ist ein für das Wohlbefinden, das Immunsystem und gesunde Wachstum des Tieres notwendiger Ablauf, der sich jedes Jahr wiederholt! Das Nichteinhalten kann fatale Folgen für das Tier haben, dies sind u.a. Nierenschäden, Gicht, zu schnelles ungesundes Wachstum usw., teilweise sind es Langzeitschäden. Eine richtig ausgeführte Winterstarre, wird von einem gesunden, im Herbst gründlich vom Schildkröten erfahrenen Tierarzt geprüften und evtl. entwurmten Schildkröte PROBLEMLOS überstanden.
Viele von euch haben sicherlich Bekannte die Schildkröten mehr schlecht als recht halten, z.B. auf dem Fußboden, wo sie dann von Küchenabfällen leben, oder Tiere die niemals Winterstarre halten, weil "Herrchen & Frauchen" ja sooooviel Angst haben das ihre Tiere nicht mehr aufwachen könnten. Aber die Tiere leben doch und das obwohl sie so nicht gehalten werden dürfen, wenn man diesem Artikel hier glauben schenkt. Nun, Schildkröten sind Tiere die einen sehr langsamen Tod sterben, wenn man dann hört, das eine Schildkröte unter diesen Umständen 20 Jahre lang so gelebt hat und dann stirbt, so kann der Besitzer keinesfalls stolz sein, das ist dann nämlich KEINE Altersschwäche, eine Schildkröte wird wie gesagt locker 100 Jahre alt, wenn die Pflege stimmt. Nein, dies zeigt nur, das der Halter die Art langsam aber sicher zu Tode gepflegt hat! Und das wollen wir doch hoffentlich alle hier vermeiden, oder?
Daher heißt die Devise: Eine Schildkröte hat entweder im Terrarium/Frühbeet, oder im Freigehege zu sein! KEINESFALLS sollte Sie frei im Zimmer herumlaufen dürfen! Ihr macht damit mehr kaputt als ihr dem Tier durch den "Auslauf" gutes tut. Selbst in geschlossenen Räumen herrscht auf dem Boden stets Zugluft, diese nehmen wir Menschen nicht wahr, aber für eine Schildkröte hat dies fatale Folgen (Lungenentzündung z.B.), das könnt ihr ganz leicht mal testen, stellt einfach mal eine Kerze auf den Boden und ihr werdet sehen wie sehr sie flackert, obwohl doch Fenster und Türen zu sind...
Nun denn, wer bis hierher gelesen hat, der sollte nun endgültig wissen, das eine Schildkröte kein einfacher Pflegling wie etwa ein Hamster ist, sondern hohe Ansprüche stellt und auch durchaus Kostenintensiv ist.
5. Das Übergangsterrarium wird nun also eingerichtet. Viele von euch werden natürlich schon im Zooladen gewesen sein, da man ja als normaler Mensch denkt das "Fachpersonal" dort hat Ahnung. Falsch gedacht, die meisten haben leider entweder keine Ahnung, oder nur den Profit im Kopf, ich werde hier nun mal die 10 häufigsten Märchen des Zoohandels aufzählen:
1.) FALSCH: Babyschildkröten brauchen keine Winterstarre in den ersten 1-3 Jahren.
RICHTIG: wie oben zu lesen ist es für die Gesundheit des Tieres EXTREM wichtig.
2.) FALSCH: Sie können das ganze Jahr problemlos in einem 80cm Terrarium gehalten werden.
RICHTIG: Diese Terrariengröße mag für das erste Jahr gehen, danach muss es aber mit dem Tier mitwachsen, es sollte MINDESTENS 10x so lang wie die Schildkröte sein und halb so breit wie lang, je größer, je besser!.
Weiterhin sollten die Tiere den Sommer im Freiland verbringen!
Aggressivität unter Tieren wird NUR dann ausgelöst wenn zuwenig Platz vorhanden ist, stellen wir uns doch einmal vor, das wir zusammen mit unserem Partner den ganzen Tag in einem 2x2m Zimmer leben müssen, da wird es über Kurz oder Lang auch zu Aggressivität kommen... Ein großes, gut gegliedertes Gehege vermeidet Aggressivität bei Landschildkröten. Terrarien für Landschildkröten sollten übrigens stets nach oben geöffnet sein um dein Luftaustausch zu gewährleisten, keinesfalls häufig im Zoohandel angebotene, komplett geschlossene Terrarien verwenden!.



Abb.3 Von Links nach Rechts, Reihe 1: Aussaaterde, Rindenhumus, Kokosfaser, Spaghnum, Pinien-Rindenmulch, Zypressen-Rindenmulch.
Reihe 2: Aquariensand, Aquarienkies, Katzenstreu, Maisstreu, Holzpellets/Hasenstreu, Stroh-Heupellets
Reihe 3: Beton, Hobelspäne/Kleintierstreu, Kunstrasen, Zeitungspapier, Hanfstreu, Buchenholz-Granulat
3.) FALSCH: Als Terrariensubstrat sollte man spezielle Zoohandelsprodukte einbringen wie:
RICHTIG: Ungedüngter RindenHUMUS oder Aussaaterde (gibt's in jeder guten Gärtnerei) oder Erde direkt aus dem Garten, jeweils mit ca. 20% grobkörnigem Flusssand vermischt oder Walderde sind optimal geeignet, das ganze immer leicht feucht (nicht nass) halten und die Tiere werden prächtig gedeihen. Anmerkung: Rindenhumus ist fein und schwarz wie Gartenerde, kompostierte Rinde eben, Blumenerde eignet sich aufgrund des oftmals hohen Torfgehaltes (dieser trocknet viel zu schnell) und da sie oft gedüngt oder mit feinen Styroporkugeln vermischt ist (Verstopfungsgefahr!) nicht! An Versteckmöglichkeiten in Form von Steinhöhlen, Wurzeln, Korkröhren und co. ist natürlich zu denken. Ausgestochene Grasnarben und Wiesenstückchen eigenen sich weiterhin hervorragend für große Teile des Terrariums, sie bieten Nahrung, Feuchtigkeit, Versteck und verschönern nicht zuletzt das Terrarium auch für den Betrachter. 10-15 cm Substrattiefe (bei großen Exemplaren entsprechen mehr) das sich die Tiere bequem eingraben können sind ausreichend.
Man sollte sich stets überlegen wo und wie die Tiere in freier Wildbahn leben, dort gibt es keine der vom Zoohandel so empfohlenen Substrate, oder?! Detailliertere Infos zu den Substrat Pro und Contras findet man z.B. unter: www.geochelone.de/terrariensubstrat.htm

Abb.4 Reflektorlampe, Rotlicht, Keramikstrahler (siehe hierzu unten!), Heizstein, Heizmatte
4.) FALSCH: Eine Heizmatte und ein Heizstein sollten zur Beheizung des Terrariums eingesetzt werden.
RICHTIG: Ein Heizstein bringt rein gar nichts für Schildkröten. Eine Heizmatte schädigt die Tiere, wärme von unten lässt den Bauchpanzer unnatürlich verdicken und schädigt die Organe! Wärme muss immer von oben kommen, in Form einer oder mehrerer (je nach Terrariengröße) Reflektorbirne (60W+), zum Thema Helligkeit kommen wir dann in Punkt 5.. Lokal unter der Wärmelampe müssen auf dem Boden 35-40°C herrschen, in anderen Teilen des Terrariums sollten es nirgends unter 20°C am Tag sein, Nachts genügt Zimmertemperatur.

Abb.5 HQL, HQI, Ultravitalux, Powersun, Daylight 100W Birne, UV Röhre.
5.) FALSCH: Zur Beleuchtung/Beheizung von oben reicht ein 100W Daylight Spotstrahler in Kombination mit einem Keramikstrahler aus. UV (so Zoohändler es überhaupt erwähnen) wird in Form von "speziell auf Reptilien abgestimmte" UV Röhren und Strahler, verabreicht.
RICHTIG: Schildkröten nehmen Wärme durch Helligkeit war, dh. Infrarot- und Keramikstrahler assoziieren die Tiere nicht mit Wärme und werden die Plätze folglich nicht gezielt aufsuchen. Keramikstrahler können/sollten allerdings zur Frühbeetzusatzbeheizung genutzt werden (speziell bei Nacht). Wie alle Reptilien sind Schildkröten wechselwarme Tiere. Ein 100W "Daylight" Spotstrahler (1300 Lux/Lumen) reicht vielleicht aus um in einem Zimmer ein Buch lesen zu können, es simuliert nicht im geringsten das Sonnenlicht, welches in den Vorkommengebieten unserer Pfleglinge bei wolkenlosem Himmel um die 140.000 Lux/Lumen & 5900 Kelvin erreicht (im Schatten noch immer gut 10% davon). Es reicht nicht die Tiere einfach nur ans Zimmerfenster zu stellen, dort herrschen in Mitteleuropa auch nur ca. 2000 Lux/Lumen. Zwar schafft dies zu 100% keine Lampe, jedoch sind die heutigen 125W+ HQL (ca. 5000 Lux/Lumen) bzw. 70W/150W+ HQI Strahler (5000-11000 Lux/Lumen) diejenigen, die in Sachen Helligkeit und Lichtspektrum/Farbe am nächsten an die Sonne herankommen (ca. 4000-6000 Kelvin), daher müssen diese eingesetzt werden, obgleich die Anschaffung Anfangs teuer sein kann. Eine HQL/HPL (Quecksilberdampfhochdrucklampen, Name ja nach Hersteller) setzt man ein, wenn die Tiere die meiste Zeit des aktiven Jahresabschnitts im Freiland verbringen dürfen, eine HQI/MHI/CDM/HRI/HCI (Halogen-Metalldampflampen, Name ja nach Hersteller) wenn die Tiere leider die meiste Zeit im Terrarium verbringen müssen. Bei HQI ist es wichtig das man die Lampen aufgrund der Grelligkeit nicht zu tief montiert, ein Abstand von ca. 60-100cm zum Boden sind wichtig. HQL/HQIs dienen zur Grundbeleuchtung des Terrariums. 60-100 Watt Reflektorbirnen sollten die Beheizung übernehmen! Lokal unter den Lampen müssen auf dem Boden 35-40°C erreicht werden. Für die UV-A & speziell die UV-B Bestrahlung (welche zur Bildung des für den Knochenaufbau, lebensnotwendigen Vitamin D3 benötigt wird) der Tiere nimmt man nicht die teuren Zoohandel UV-Leuchtstoffröhren, deren UV-B Ausbeute oftmals sehr gering ist und vor allem leider innerhalb weniger Wochen/Monate gänzlich verschwunden ist, sondern eine OSRAM ULTRAVITALUX oder eine ZOOMED POWERSUN-UV, diese sind zwar recht teuer in der Erstanschaffung, halten dafür aber auch sehr lange. Weiterhin haben sie einen sehr starken UV-A und UV-B Anteil. Während die Powersun-UV auf einen ganztägigen Betrieb ausgelegt ist (bitte aus 80-100cm über dem Boden montieren) und dementsprechend weniger konzentriert UV abgibt wie die Ultravitalux, sollten die Tiere langsam an diese Lampe (Ultravitalux) gewöhnt werden. Erstmals sind 5 Minuten Bestrahlung am Tag ok, dies sollte man jede Woche dann um 1-2 Minuten erhöhen bis man zum Schluss bei 15-20Minuten/Tag ist (stets aus etwa 1m Entfernung).
Oftmals nehmen viele Anfänger an, das eine HQx Leuchte, die euch etwas UV abstrahlt auch gleichzeitig für den UV Haushalt wie auch für die Erwärmung der Schildkröte ausreichend ist, dem ist aber nicht so. Die UV Ausbeute ist viel zu gering & die Wärmeabgabe aus der notwendigen Montagehöhe von 1m ist auch viel zu wenig. HQx Leuchten dienen einzig und allein um die Lichtintensität und Lichtwärme soweit als technisch möglich dem Habitat nachzuempfinden (dies ist für die Aktivität der Schildkröte auch enorm wichtig!).
Weitere Infos zum Thema optimaler Beleuchtung und ausführlicher Erklärungen, sowie die technische/wissenschaftliche Seite gibt es hier: http://www.reptilien-abc.de/hjb-zoo/licht-1/licht-1.htm

Abb.6 Schlechtes Futter: Obst, Pellets, Tomate, Kopfsalat, Bananen, Gammarus
6.) FALSCH: Als Futter kann man Küchenabfälle und besonders spezielle Zoohandels Pellets verfüttern, auch Wasserschildkrötenpellets und Fischfuttersticks können den Jungtieren gegeben werden, da diese viel Proteine und Eiweiß brauchen um schnell zu wachsen, weiterhin Kopfsalat, Tomaten und immer mal wieder Obst wie Bananen. Wasser brauchen sie keines, nehmen sie über die Nahrung auf....
RICHTIG: Im folgenden wird erklärt welche Nahrung für eine Schildkröte geeignet ist und welche nicht.
Folgende Dinge sind NICHT zur Verfütterung geeignet:

Abb.7 Gutes Futter: Römersalat, Catalogna, Heu, Wegerich, Wiesenkräuter, Hibiskusblüte (& Blätter)
Folgende Dinge sind ZUR Verfütterung geeignet:
Geeignetes Futter: sind Wiesenkräuter wie Löwenzahn, Wegericharten, Disteln weiterhin Brunnenkresse, Garten & Kapuzinerkresse, Blätter (z.B. Wein-, Melonen-, Zucchiniblätter (und Blüten), Gelbe Rüben (mit Grünzeug!) Blüten & Blätter diverser Pflanzen (z.B. Hibiskus, Malve, Rose usw.)& Heu . Von manchen Schildkröten werden ebenfalls Gartenkräuter wie Petersilie, Melisse und Salbei gefressen (Rosmarin und Thymian hingegen nicht) Wiesenkräuter, so vorhanden sollten immer den Hauptteil des Futters Ausmachen sowie frisches Heu und wenn keine Wiesenkräuter vorhanden (in den Übergangszeiten manchmal ja der Fall) dann sollte es Römer- und Endiviensalat sein (kein Eisberg, Kopfsalat oder sonst was) und Löwenzahn (Catalogna) vom türkischen Händler. Bei sammeln von Wildkräutern ist folgendes zu beachten: Die Wiese auf der gesammelt wird, sollte ungespritzt und am besten ungedüngt sein, und möglichste weit von einer Strasse, Bahntrasse, Fabrik, Mülldeponie usw. entfernt liegen. Beim verfüttern von Römer-, Endivien- und Catalognasalaten ist folgendes zu beachten: sie sollten auf jeden Fall, vor dem verfüttern gründlich abgewaschen werden (es sei denn aus eigenem biologischen Anbau). Gerade bei stärkerer Verfütterung von kultivierten Pflanzen (was sich bei größeren Beständen nicht vermeiden lässt) ist darauf zu achten, so abwechslungsreich wie möglich zu füttern.

Abb.8: Sepia (dient NICHT als Futter!), der Lieferant für den sehr Calciumhaltigen: Tintenfischtschulp (sein Endoskelett), Calcio-Reptin, Mineralpulver
Kalk: in form von Knochen, zerstampften Eierschalen und Tintenfischtschulps (Endoskelett des Sepia/Tintenfisch) sollten stets zur Verfügung stehen! Mit Ausnahme von Calciumergänzungsmittel (z.B. Calcio-Reptin) sind andere Mineral- und Vitaminpulver aus dem Zooladen bei der korrekten Ernährung überflüssig.
Weitere super Infos mit vielen Bilder erfahrt ihr zum Thema Futter auf www.schildifutter.de . Man merke sich immer, ein Tier sollte langsam und schön gleichmäßig glatt wachsen!
Fastentage: Zu oftmals empfohlenen Fastentagen sei gesagt, das diese nicht notwendig sind. Allerdings sollte im Sommer im Mitteleuropäischen Klima deutlich mehr Heu, als das ohnehin schon, in Mitteleuropa deutliche gehaltvollere, Grünfutter gefüttert werden, dies simuliert recht gut die Verhältnisse im Habitat um diese Jahreszeit, dort wächst im Sommer nämlich kaum noch Grünzeug. Schlechtwettertage (Heizung aus, auch im Frühbeet, wenn im Sommer im Freiland) sollten ebenso simuliert werden, bei diesen wird dann auch keine/weniger Nahrung aufgenommen.
Überfütterung: Kann man eine Landschildkröte überfüttern?: Ja, durchaus, Schildkröten die zu Eng gehalten werden neigen zu einem fressen aus langer weile den lieben langen Tag, gut gehaltene Tier hingegen fressen soviel wie sie benötigen und verbringen den Rest der Zeit mit ausgiebigem Sonnen, erkunden des Geheges usw.. Ein weiterer Hinweise auf zu enge Haltung ist übrigens das apathische an der Scheibe/Gehegeumrandung entlang laufen, hochklettern oder Untergrabungsversuche eben dieser. Eine Babyschildkröte sollte Idealerweise im ersten Jahr ihr Schlupfgewicht (ca. 15-20g) etwa verdoppeln, nicht mehr! Man füttert eine Schildkröte 1x am Tag, am besten zur Mittagszeit.
Wasser: Wasser ist auch für Landschildkröten sehr wichtig, sie können ihren Wasserbedarf, NICHT wie früher angenommen, ausreichend mit der Nahrung stillen! Es muss immer eine im Boden versenkte, flache Schale oder ein flaches Becken (am besten eignen sich hierfür Tonschalen, oder aufgeraute (keine glatten!) Kunstoffschalen mit frischem Wasser zur Verfügung stehen. Wichtig hierbei ist, dass der Wasserstand nur so hoch ist, dass das kleinste Tier beim baden bequem den Kopf herausstrecken kann. Da diese Art gerne badend trinkt und dabei auch gerne abkotet, ist es wichtig, dass das Wasser regelmäßig (am besten täglich) gewechselt wird. Jungtiere können durchaus 1-2x Woche in Handwarmem Wasser gebadet werden (das Wasser darf nur so hoch sein, dass sie bequem den Kopf herausstrecken können). Die meisten Landschildkrötenarten können NICHT schwimmen, lasst es also nicht darauf ankommen!
Wenn Schildkröten trinken ist der Kopf oftmals für ein paar Minuten komplett unter Wasser, keine Angst, die Tiere ertrinken dabei nicht, es ist ihre natürlich Art der Wasseraufnahme!
7.) FALSCH: Sporn-, Panther- und Vierzehenlandschildkröten sind hervorragende Anfängertiere und perfekt für ein Standardterrarium
RICHTIG: Wie ganz oben zu lesen, sind die absolut nicht für normale Terrarien geeignet und auch sonst sehr Anspruchsvoll, also KEINE Anfängertiere.

Abb.9: Bei Sommerfreilandhaltung & korrektem Futter sind folgende Präparate Überflüssig: "Schildkrötenglanz" & "Schildkrötenvitamine"
8.) FALSCH: Spezielle Produkte wie Panzerglanz (Panzerpflegemittel), Schildkrötenvitamine (Vitamin A) sowie Vitaminpräparate, Mineralpräparate (außer Calcium Präparate!) & "Reptilien Apotheken" sind notwendig für das Wohlempfinden der Tiere.
RICHTIG: Das ist alles nur Geldmacherei und schadet mehr als es gutes tut. So genannter "Panzerglanz" besteht aus Pflanzen-/Paraffinöl mit Duftzusätzen wie z.B. Nelke und soll den Panzer "Stärken, Pflegen, Gesund und Schön halten", dies ist falsch, er mag zwar den Panzer glänzen lassen, was für uns Menschen sehr ästhetisch und schön wirken mag, für die Tiere jedoch ist es katastrophal, das Öl verstopft die Poren im Panzer, ein Panzer ist nicht einfach nur ein totes Gewebestück, nein er lebt durchaus und die verstopften Poren können das Wachstum des Tieres beeinflussen, also spart euch das Geld lieber und wenn ihr ein sauberes Tier haben wollt ab und zu ein reinem, handwarmem Wasser mal baden (aber selten um Stress zu vermeiden) bzw. im Sommer ruhig mal etwas mit dem Gartenschlauch ins Gehege spritzen (oder habt ihr in freier Natur schon mal einen "Politurbaum" gesehen???!!!). Zu Vitaminpräparaten wie "Schildkrötenvitamine" (angeblich zur Vorbeuge von Augenentzündungen usw.) und co.: Bei der richtigen Ernährung & Haltung sind diese überflüssig und schädigen eher durch Überdosierung als das sie helfen, daher spart euch das Geld. Wenn das Tier eine Augenentzündung hat, zum Schildkröten erfahrenen Tierarzt, nicht selbst daran herumdoktern. Übrigens sind auch die meisten im Tierhandel angebotenen "Wurmmittel", "Schnupfen-/Erkältungstropfen", "Immuntropfen", "Anti-Durchfall", "Appetitanreger" usw. absolut unwirksam und schon was Scharlatanerie! Hat das Tier Würmer/Schnupfen/akuten & andauernden Durchfall (bei letzterem sind das Futter & die Haltung zu überprüfen, aber auch Parasiten & Stress können die Ursache sein) oder sonst welche Beschwerden ist umgehend ein Schildkröten erfahrenen Tierarzt aufzusuchen! Nicht erst abwarten oder Pseudoexperten befragen, handeln ist angesagt!
9.) FALSCH: Schildkröten werden in den meisten Tierläden im Winter, speziell zu Weihnachten angeboten.
RICHTIG: Niemals sollte man ein Tier um diese Jahrszeit kaufen, immer erst im FRÜHJAHR, im Winter sollte das Tier in Winterstarre sein, Tiere die dies nicht sind, sind entweder Krank oder die Halter/Züchter/Händler haben keine Ahnung von den Tiere, dort kauft man dann folglich auch nichts!
10.) FALSCH: Bücher einfach wahllos im Zoohandel/Buchladen kaufen ohne sich davor zu erkundigen, welche dem Stand der Wissenschaft entsprechen. Gerade die Schildkröten wurden in den letzten Jahren ziemlich erforscht und nicht überholte Literatur ist leider immer noch in vielen Ladenregalen anzutreffen.
RICHTIG: Gute Bücher findet man weiter oben und eine ausführliche Rezension aller derzeit in deutscher Sprache erhältlichen Bücher über Landschildkröten findet man hier: www.landschildkroeten.com unter "Literatur".
Wie man an diesen 10 Punkten sieht, sollte man Tierhändlern also keinen großen glauben schenken und lieber zu einem erfahrenen Züchter gehen, wo man übrigens die Tiere auch deutlich billiger bekommt als im Zooladen, plus noch meist wertvolle Tipps dazu. Anzumerken sei übrigens noch, das man stets nur die gleiche Art und dort auch nur die gleiche Unterart zusammen halten darf. Da andere Arten auch andere Ansprüche stellen, sich anders Verhalten und auch andere Krankheiten haben können.

Abb.10 Jungtiere mögen es gesellig, glattes 1 Jähriges Jungtier (so muss es sein!), stark höckriges 1 Jähriges Jungtier (so nicht!).
6. Nun gut, das Terrarium steht nun also fertig bereit, wir haben alles gestrichen was der Zoohändler und aufdrängen wollte. Weiterhin haben wir natürlich schon das entsprechend große Freigehege geplant, das wir bis zum Frühsommer auch fertig gestellt haben werden, ja?. Für die Anlage des Freigeheges kann man übrigens unter www.landschildkroeten.com, www.geochelone.de, www.udena.ch/wilf/ , www.testudo-farm.de oder auch www.villa-testudo.de gute Tipps und Anregungen bekommen.
Nun, dann steht der Schildkröte ja nichts mehr im Weg. Nun begeben wir uns also auf die Suche nach einem Züchter in der näheren Umgebung, zuschicken, das wollen wir den Tieren natürlich als verantwortungsbewusste Halter nicht antun, außerdem wollen wir die Tiere ja vorher auf den allgemeinen Zustand und das Aussehen überprüfen. Züchter findet man z.B. in den diversen Internet Kleinanzeigenforen wie z.B. auf http://www.sebag-buchmann.de/schildibrett/kvindex.html oder auch bei www.schildkroeten.com, wo wir Züchterlisten finden.
So, der Züchter ist gefunden, man fährt nun also hin, passt auf das er einem nicht auch solche Dinge erzählt wie der Tierhändler (siehe oben), ist dies der Fall, so sollte man sich einen anderen Züchter suchen, den dieser hat dann entweder nur Geld im Sinn, oder hat bei der Zucht mehr Glück als Verstand und oftmals sind die Tiere dann auch krank. Zum überprüfen wie gesund ein Tier ist sollte man folgendes tun:
Ist dies alles soweit ok, so steht dem Tierkauf nichts mehr im Wege, zu beachten wäre noch, das ein Tier alleine doch eher einsam ist, entgegen der häufigen Meinung, das Schildkröten strikte Einzelgänger sind, sei gesagt das Jungtiere deutlich agiler & lebhafter sind, wenn sie mit weiteren Tieren zusammen gehalten werden (der Platz muss natürlich dazu vorhanden sein!), weiterhin fressen sie besser. Bei den meisten Züchtern kostet eine Baby Landschildkröte übrigens so um die 100 Euro und hat natürlich eine EU Bescheinigung dabei, ansonsten wäre sie ja illegal! Zum Transport nimmt man am besten einen Karton, der vorher mit Laub, Spaghnum Moos o.ä. ausgepolstert wird, da wir die Tiere ja nur im Frühjahr kaufen, also einer doch schon etwas wärmeren Jahreszeit ist eine weitere Isolation wie z.B. eine Styroporbox nur dann notwendig wenn ein Kälteeinbruch eben an diesem Tag zu erwarten ist.
7. Gut, also wurden es dann 2 oder gar 3 Tiere ;-) Daheim kommen sie nun wie gesagt in das Übergangsterrarium und sobald es draußen wieder wärmer wird in das bis dahin fertige Freigehege.
Häufige Fragen nach der Anschaffung sind z.B.:
1. Mein Tier vergräbt sich die meiste Zeit des Tage, ist es Krank? Dies ist ein normales Verhalten von Jungtieren, die ein sehr verstecktes Leben führen, solang die Tiere klare offene Augen haben und auch gut fressen muss man sich da keine Sorgen machen. Sollte das Tier aber kaum fressen, ständig verschlossene Augen haben, apathisch herum liegen o.ä. so ist schnellstens ein Schildkröten erfahrener Tierarzt aufzusuchen.
2. Das Tier frisst an den ersten Tagen nach der Anschaffung noch nichts und ist Scheu, ist das normal? Ja, es ist normal, die Eingewöhnungsphase kann ein paar Tage dauern, sollte es jedoch mehr als wenige Tage dauern so sollte ein Schildkröten erfahrener Tierarzt aufgesucht werden.
3. Mein Tier scheidet weißen Kot aus, ist das normal? Ja, es handelt sich hierbei nicht um Kot, sondern um Harnsäure. So fern diese nicht bröckelig (deutet auf zu trockene Haltung und/oder Nierenprobleme) sondern schön "sahnig-schleimig" und weißlich (nicht gelblich, rötlich, grünlich, was auf Krankheiten, falsche Haltung hindeutet) ist und auch nicht in auffallend großen Mengen abgesetzt wird, ist dies absolut normal. Der Kot ist wie beim Menschen braun und sollte schön fest sein und ähnlich wie bei einer Kuh riechen. Durchfall und co. deuten auf falsche Ernährung und oder Parasiten hin, sollt er sich nicht schnell bessern ist ein Tierarzt zu konsultieren. Tierärzte sollte man weiterhin umgehend kontaktieren wenn das Tier eine feuchte Nase hat (Schnupfen), außerordentlich viel trinkt (evtl. Nierenschaden), mit geöffnetem Maul atmet (Lungenentzündung)
4. Ich möchte mir noch weitere Tiere kaufen, kann ich diese einfach so zu den anderen setzen? NEIN, keinesfalls! In Zeiten von Schildkrötenherpes und RNS (laufendes Nasen Syndrom), sowie Parasitenbefall darf man neue Tiere niemals direkt mit dem Altbestand vergesellschaften, dies kann fatale Folgen haben und im schlimmsten Fall mit dem Verlust des gesamten Bestands enden! Daher gilt immer folgende Quarantäne: neu angeschaffte Tiere müssen für mindestens 6 Monate, besser sind sogar 12 Monate strikt! von den alt eingesessenen Tieren getrennt gehalten werden! Auch muss man hier sehr stark auf die Hygiene achten, stets die Hände waschen/desinfizieren (oder für jedes Terrarium separate Handschuhe verwenden) nachdem man die neuen Tiere angefasst hat/das Terrarium geputzt hat etc. bevor man die alt eingesessenen Tiere berührt! Die Terrarien sollten auch nicht direkt nebeneinander stehen, die Tiere dürfen nicht im gleichen Kühlschrank hiberniert werden und genauso wenig sollten die Freigehege direkt nebeneinander sein. Nach den 6 Monaten sollte man mit den Neuzugängen am besten einen Herpestest machen und die Tiere noch mal gründlich vom Schildkröten erfahrenen Tierarzt untersuchen lassen, erst dann kann man die Tiere miteinander vergesellschaften. Man sollte übrigens nur Tiere der gleichen Unterart miteinander halten, sonst kann es zu Hybriden, neuen Krankheiten uvm. kommen, ausserdem hat jede Art/Unterart ihre ganz eigenen Ansprüche.
Weiterhin darf man Landschildkröten keinesfalls mit anderen Reptilien (Schlangen ,Echsen, Sumpfschildkröten usw.) vergesellschaftet werden, da sie Bakterien und andere Erreger in sich tragen, die zwar für sie selbst ungefährlich sind, aber für andere Reptilien fatal enden können! Hunde und Katzen müssen von Schildkröten stets gut entfernt gehalten werden, speziell Hunde sehen in ihnen Kauknochen und das endet für Schildkröten oft tödlich. Auch Hamster, Meerschweinchen, Ratten & Kaninchen knabbern wie alle Nagetiere gerne alles möglich an, so machen sie auch vor Schildkröten nicht halt, also, diese auch keinesfalls mit Schildkröten zusammenpflegen!
8. Zum Tierarzt, hier sei bitte zu beachten das man nur einen Schildkröten erfahrenen Tierarzt aufsucht, die meisten "normalen" Tierärzte haben nämlich leider keine/nicht viel Ahnung von den Tieren und behandeln hier falsch und oftmals auch mehr schädigend als korrekt. Einen Tierarzt, der nicht weiß, was er tut, erkennt man an folgenden Punkten:
1.) FALSCH: Aufbau/Vitaminspritze wird verabreicht
RICHTIG: Der armen Herr Doktor ist oft mit seinem Latein am Ende und um sich nicht zu blamieren versucht er das Tier zu behandeln wie einen Hund, diese Spritzen kosten nur Geld und schaden mehr als sie gutes tun! Vitaminspritzen sollten stets hinterfragt werden und keinesfalls prophylaktisch verabreicht werden, nur bei Fällen wie Augenentzündungen & Futterverweigerung und co. sind Vitamin gaben notwendig.
2.) FALSCH: Der Tierarzt verschreibt sofort Breitband Antibiotika und die genaue Wirkung und deren Nebenwirkungen zu erklären
RICHTIG: Er Muss erklären um was es sich dabei handelt und was es bringen soll, allzu viele normale Tierärzte verschreiben/verabreichen gerne ein Breitband Antibiotikum, welches aber oftmals für Schildkröten entweder keine Wirkung hat, oder aber Fatal enden kann.
3.) FALSCH: Der Tierarzt will das Tier prophylaktisch und ohne Kotuntersuchung entwurmen.
RICHTIG: Ein Tier sollte NIEMALS Prophylaktisch entwurmt werden, der Kot sollte stets untersucht werden und nur wenn Würmer/Wurmeier nachgewiesen werden ist eine Entwurmung auszuführen. Optimalerweise sollte man jedes Jahr im Spätsommer (August/September) eine Kotprobe an den Tierarzt weitergeben, oder an spezielle Institute einschicken, sollte dann ein Wurmbefall festgestellt werden, bleibt genug Zeit um die Tiere vor der Winterstarre zu entwurmen. (Die häufigste Todesursachen in der Winterstarre sind übrigens Wurmbefall aufgrund von nicht überprüfen des Kotes sowie zu trockene Winterstarre, hierzu einfach mal auf den oben genannten Webseiten die Hibernationsabschnitte gründlich durchlesen, dann kann nichts mehr schief gehen).
Wichtig bei der Kotprobe die untersucht werden soll ist ganz einfach:
Sie sollte am Tag der Kotabgabe verschickt werden und sie darf auf keine Fälle
austrocknen. Also ein verschließbares Gefäß verwenden .. Deckel auf, Kot rein,
einige Tropfen sauberes Wasser dazu, Deckel zu .. Begleitschreiben dazu ..
losschicken und auf das Ergebnis warten. 2-3 Tage die zwischen der Kotabgabe bis
zur Untersuchung vergehen sind kein Beinbruch und da werden vom Fachmann alle
notwendigen Parasiten sofern vorhanden, sehr wohl noch festgestellt.
Untersuchungen auf Wurmeier sollten als Sammelprobe ..also über mehrere Tage hinweg gesammelt und in einem Behälter zwischengelagert werden. Die letzte Probe separat verpackt und beschriftet als letzte und frischeste Probe wegen der Einzeller .. und die Palette der wichtigen Parasiten kann abgefragt werden
Kotproben kann man z.B. hierhin senden: www.exomed.de
Gute Schildkröten erfahrene Tierärzte findet man hier: http://www.tierarzt.schildkroeten.com
So, ich denke die meisten eurer Fragen wurden hiermit beantwortet, sollten noch weitere Fragen offen sein, so wendet euch doch per Email an mich, oder schreibt eure Fragen in den oben genannten Foren, wo euch dann mit Rat und Tat zur Seite gestanden wird. Ich wünsche euch viel Spaß mit diesen faszinierenden Tieren, sie mögen zwar kein billiges Hobby sein, aber dafür ein umso schöneres!!! :-)
Zur ständigen Weiterbildung sollte man dann Chats, Stammtische, Workshops und Tagungen besuchen, hier lernt man dann auch viele nette Gleichgesinnte kennen. Mitgliedschaften bei Vereinen wie etwa dem ISV sind hierfür gut geeignet.
Dieser Bericht erfüllt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und entspricht lediglich unserer eigenen Erfahrung im täglichen Umgang mit diesen Tieren und Jahrzehnte langer erfolgreicher Pflege.
Die Entwicklung in der Pflege der Schildkröten ist ein sich ständig wandelndes Gebiet, neueste Erkenntnisse werden tagtäglich gewonnen. Diese Zusammenfassung werden wir laufend erweitern und ergänzen.
Erstellt am: 09.02.2004
(C) 2004 @ Landschildkroeten.com & Geochelone.de